Sacri Romani Imperii – Nobiles in Tournament 2017

Der Böhmische Königshof im Jahre 1320. Auf der Burg Querfurt sammelt sich die Crème de la Crème des Heiligen Römischen Reiches, um sich im Turnier zu messen.
Vom 29. September bis zum 3. Oktober waren wir Teil des Sacri Romani Imperii auf dem Nobiles in Tournament. Der Edle Herr und Notarius Andres vom Berg an der Aue weilte dort mit seiner Gemahlin Flora und den beiden Kindern. Die Gemeinheit stellte sich für diese Zeit in seine Dienste und bildete gemeinsam mit Dazugestoßenen aus dem Dunstkreis des Notarius ein stattliches Gefolge von 14 Kämpfern, Gesinde und Geistlichkeit.

Erwartungen

Eine kleine Herausforderung war es, von unserer üblichen Darstellungszeit knapp eine Generation zurückzurudern. Zum Teil wurden dafür vereinzelt sogar neue, knopflose Kleider genäht.
Wir gingen trotz vereinzelter Unkenrufe aus der Szene mit der Erwartung in diese Veranstaltung, auf Menschen zu treffen, die nicht nur Lust auf eine äußerliche Darstellung haben, sondern diese auch in Form von Rollenspiel über einige Tage ausleben. Da das NIT, ebenso wie das gesamte SRI-Projekt unter dem Etikett „ReenLARPment“ gehandelt wird, hofften wir also, das Beste aus den zwei Welten – historische Darstellung und Liverollenspiel – zu erleben. Da es sich um eine recht streng festgelegte Darstellungszeit handelt, hatten wir natürlich gewisse positive Vorurteile, da wir ja erst kürzlich erfolgreich die Schlacht bei Dinklar geschlagen haben. Auch hier war natürlich das Jahr vorgegeben.

Mittelalter oder Rollenspiel? …oder beides?

Alle Teilnehmer hatten sich, so wie wir das aus unserer Warte überhaupt beurteilen können, sehr viel Mühe gegeben, ein stimmiges und angemessenes Bild vom Böhmischen Königshof zu zeichnen. Aber wie das immer so ist, gab es natürlich auch die ein oder andere Abweichung von der Zeitvorgabe. Auch wir waren ja nicht ganz perfekt, da wir natürlich überwiegend unsere Ausrüstung für 1350-1370 benutzten. Man muss hier wirklich unterscheiden, dass es sich – zumindest aktuell noch nicht – um eine Veranstaltung mit tatsächlichem, alle Aspekte behandelnden „Living History“-Charakter handelt. Noch steht das Rollenspiel verstärkt im Vordergrund, welches aber gemessen an der Höfischkeit des eingehenden 14. Jahrhunderts wirklich toll und konsequent umgesetzt wurde! Die Kleidung macht dagegen zum Teil den Eindruck, dass manches vielleicht nochmal nachrecherchiert werden sollte, um den Eindruck, man befinde sich wirklich im Dunstkreis Johanns von Böhmen im Jahre 1320, ganz einfach zu perfektionieren. Nach Gesprächen (im Nachhinein) mit ein paar Teilnehmern klärt sich dieser Umstand auch recht schnell auf. Manche verwenden noch Kleidung aus anderen, früheren Darstellungen, die sie noch nicht angepasst haben, andere lassen schneidern und recherchieren nicht unbedingt selbst. Insgesamt lag der Fokus also tatsächlich wesentlich stärker auf der ausgefeilten „schauspielerischen“ Darstellung als auf der detailgetreuen optischen Darstellung. Der Wunsch, sich in allen Aspekten zu verbessern, wurde aber mehrfach geäußert.

Gott zum Gruße, edler Herr!

Das muss wohl auch der Grund gewesen sein, weshalb wir auffielen, wie die bunten Hunde. Man muss ehrlich sagen, dass wir genau so mit der Ausstattung angereist sind, wie wir sie eigentlich auch auf jede andere Veranstaltung mitbringen würden. Und im Kreise der stets bemühten und niemals der Recherche müde werdenden „A“-Riege befinden wir uns auch noch sehr weit unten in der „Fresskette“. Dennoch bekamen wir von vielen Seiten Rückmeldung, was wir für ein gutes Bild abgäben. Der König selbst hat dies uns gegenüber geäußert, was uns natürlich sehr ehrt und uns in unserem Hobby noch bestätigt. Wir können uns gut vorstellen, dass, wenn ein jeder Teilnehmer auch nur noch ein bisschen mehr dazu motiviert wird, seine optische Darstellung zu modifizieren – wir nehmen uns da nicht aus, wir sind ja noch lange nicht dort angekommen, wo wir hin möchten – das SRI-Projekt, was jetzt schon einzigartig ist, ein unvergessliches Erlebnis, ein echtes Eintauchen in die Vergangenheit sein kann.

Vivat Andres Hora z Zlinicz!

Das Spiel hat uns allen sehr viel Spaß gemacht. Die Kämpfer in unserer Truppe sind tapfer für das Haus vom Berg an der Aue angetreten, auch wenn sie insgesamt nicht ausschließlich erfolgreich waren. Der sportliche Wettkampf hat allen sichtlich Freude bereitet. Auch außerhalb der Arena fanden zum Teil höchst emotionale Dinge statt. Der edle Herr wurde vom König in den Grafenstand erhoben! Vivat! Zur Erfüllung des Codex betreffend des Grafenstandes fehlt uns nicht mehr viel und wir konnten durch die Nutzung bereits vorhandener Ressourcen direkt nach der Ernennung zum Erstaunen der anderen Teilnehmer schon recht schnell das ein oder andere direkt vor Ort umsetzen. Zur konsequenten Darstellung gehörten neben Einhaltung von Tischordnung und höfischen Manieren auch der begleitete Einkaufsbummel der Herrschaft über den angegliederten Markt, mit Wache und Mägden, die die Einkäufe hinterhertragen. Drei Mägde als pöbelndes und anfeuerndes Publikum beim Bruchenball darzustellen konnten wir uns auch nicht nehmen lassen. All diese Kleinigkeiten haben wir mit viel Spaß und ohne große Vorplanung so simpel und konsequent ausgespielt, dass wir den Eindruck bekamen, wir haben auch den anderen Teilnehmern Spaß verschafft. Und das ist ja eigentlich auch das Ziel im Rollenspiel.

Fazit

Das Nobiles in Tournament 2017 ist aus unserer Sicht eine Veranstaltung mit viel Potential. Auch wenn einiges aus der Sicht des Living-History-Auges verbesserungswürdig erscheint, so macht es einfach Spaß, sich für eine so vergleichsweise lange Zeit unter quasi Gleichgesinnten was das Umsetzen von Geschichte angeht, zu tummeln. Vielleicht könnten noch mehr Möglichkeiten im Sinne eines Plots geschaffen werden, um untereinander, neben dem Turnier die Gruppen zu mehr Interaktion zu verleiten. Denn überall dort, wo es Interaktion z.B. in Form von Audienzen etc. gab, hat man gespürt, dass dies den Charakter der Veranstaltung ausmacht. Mehr davon! Plappernde, gerüchteverbreitende Mägde am Brunnen beim Wasserholen! 😉 Geschichte rezitieren ist das eine, diese Geschichte mit Leben zu füllen, das andere. Und wir hatten den Eindruck, das genau letzteres eigentlich das ist, was SRI will – und kann.

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